Public Viewing 30. Antifaschistischer Ratschlag Thüringen am 6. November im AK40 (2G)

Wir schauen am 6. November ab 10:00 Uhr gemeinsam die Podiumsdiskussion „Zum Umgang mit sexualisierter Gewalt in der linken Szene“, im Anschluss dann verschiedene Workshops.

Es handelt sich um eine öffentliche Veranstaltung. Für die Veranstaltung nehmen wir die 2G-Option in Anspruch, somit ist der Zugang auf geimpfte, genesene und gleichgestellte Personen beschränkt (Impfnachweis oder Genesungsnachweis erforderlich, Kontrolle im Außenbereich). Eine Mindestabstandspflicht entfällt, außerdem wird auf das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung bzw. qualifizierte Gesichtsmaske verzichtet. Die Kontaktnachverfolgung wird mit der Corona-Warn-App bzw. einer Kontaktliste sichergestellt.

Weitere Infos: https://ak40.noblogs.org/vortraege/

Solidarität mit der Betroffenen aus Gotha!

Anfang letzten Jahres wandte sich eine aus Gotha stammende von sexualisierter Gewalt Betroffene mit einem Outcall an die Öffentlichkeit. In dem zusammen mit Unterstützer*innen verfassten Outcall formulierte sie Forderungen für eine Aufarbeitung an das Haus- und Wohnprojekt Juwel, in dessen Räumlichkeiten und Strukturen sich die Vergewaltigung zugetragen hat. Die geforderte Aufarbeitung ist trotz vielfacher öffentlicher Beteuerungen der Bemühungen darum, seitens des Juwel aber zu vermissen. Wir ziehen nun die Konsequenzen und distanzieren uns vom Juwel Gotha!

Dem Outcall der Betroffenen aus Gotha folgte wenig später ein Statement des Juwels, in dem sie ihre Reaktion beschreiben, nachdem sie von der Vergewaltigung erfahren haben. Der Täter hatte binnen 1,5 Wochen auszuziehen, der Betroffenen seien Unterstützungsangebote gemacht worden. Fehler wurden eingeräumt, Bedauern und Erschütterung ausgedrückt und eine Auseinandersetzung und Aufarbeitung in Aussicht gestellt. Danach wurde es (zumindest nach außen hin) ruhig um das Juwel Gotha.

Ob – und wenn ja wie – eine Auseinandersetzung und Aufarbeitung stattfinden würde, war wegen der mangelnden Öffentlichkeit seitens des Juwels Gotha schwer nachvollziehbar. Immer wieder gab es vor allem in Form von Facebook-Kommentaren Versicherungen dazu, dass diese aber stattfinde.

Dabei trat jedoch meist die Frage nach einem Umgang mit sexualisierter Gewalt und überhaupt Sexismus in den eigenen Strukturen immer wieder zugunsten des Aufpolierens des eigenen Images in den Hintergrund. Den nicht zuletzt von der Betroffenen geäußerten Einschätzungen wurden immer wieder die eigenen Bemühungen vorwurfsvoll entgegengehalten, statt einmal ihr Befinden ernst zu nehmen. Diese Form der Auseinandersetzung ließ eigentlich klare Schlüsse zu. 

Dass im letzten und Anfang dieses Jahres kaum öffentliche Veranstaltungen stattfinden konnten, bedingte für uns (und andere Außenstehende) aber die Bequemlichkeit, sich gegenüber des Juwels nicht praktisch verhalten zu müssen. Die Frage, wie man sich in Solidarität mit der Betroffenen dazu verhält, wenn dort Veranstaltungen stattfinden würden oder was die nicht transparente (vermeintliche) Aufarbeitung für zukünftige Zusammenarbeit bedeuten würde, stellte sich in der Praxis nicht.

Wir hatten allerdings die Hoffnung, dass an einem Ort wie Gotha, der einen linken Raum so dringend benötigt, eine Chance darauf besteht, dass man sich der Aufgabe der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in den eigenen Strukturen stellt. 

Die letzten Zweifel, darum, dass eine Aufarbeitung stattfinde, die man mangels Öffentlichkeit nicht nachvollziehen konnte, platzten dann spätestens, als das Juwel wieder zu einer öffentlichen Veranstaltung einlud. Die Betroffene und ihre Unterstützer*innen, die bis dahin viele Anfeindungen über sich ergehen lassen mussten, wandten sich in einem neuen Statement an die Öffentlichkeit, in dem sie anprangerten, dass das Juwel das Versprechen der Aufarbeitung (und Transparenz) nicht einhalten konnte und nun zum Tagesgeschäft übergehen wollte. Die Reaktionen von Seiten des Juwel darauf bestätigten diese Sicht: Die eigenen Bemühungen um Aufarbeitung wurden beteuert, der Betroffenen und allen, die sich mit ihr solidarisierten, vorgeworfen, eben diese Bemühungen nicht ernst zu nehmen. Es wurde niemals auch nur die Frage an die Betroffene gerichtet, was sie zu der Einschätzung veranlasst, dass keine Aufarbeitung stattgefunden hat und wie sie sich eine solche vorstelle (dokumentiert und analysiert auf dem Instagram-Account sistersinsarms).

Wir ziehen praktische Konsequenzen: Mitglieder des Juwel e.V., Täterschützer*innen und alle, die meinen, das fortwährende mutige Hinweisen auf die fehlende Aufarbeitung durch die Betroffene und ihre Unterstützer*innen sei ein Problem und nicht die fehlende Aufarbeitung selbst, sind bei Veranstaltungen des AK40 unerwünscht. Wir sehen keine Möglichkeit für eine zukünftige Zusammenarbeit mit dem Juwel e.V. und empfehlen mehr noch Menschen, die potenziell von sexualisierter Gewalt betroffen sein können, ihm fortan fern zu bleiben. Damit kündigen wir nicht die Zusammenarbeit mit einem antifaschistischen Projekt auf, wir ziehen die Konsequenzen daraus, dass das Juwel in Gotha kein solches mehr ist; sondern ein Projekt, das lange vorher schon ein Problem mit Sexismus hatte, aber an der Bearbeitung dieses Problems nicht interessiert ist. Ein Projekt, in dem Täterschützer*innen verkehren, während der Betroffenen mit Auslachen bis hin zu Anfeindungen begegnet wird, wenn sie immer wieder die Auseinandersetzung sucht (während ihr nahegelegt wurde, dem Juwel zum Zweck der Konfliktvermeidung fern zu bleiben !) . All das zeigen die Veröffentlichungen der Betroffenen und ihrer Unterstützer*innen zu genüge. 

Besorgniserregend finden wir, wenn Betroffene, die Täter und die sie schützenden Strukturen outcallen, als Nestbeschmutzer*innen dargestellt werden. Damit begibt man sich in die Logik von Bürgermeister*innen, die lieber den Ruf ihrer Stadt wahren wollen als gegen Nazi-Strukturen vorzugehen. Sicher macht es bedrohte linke Räume auch angreifbarer, wenn in der Öffentlichkeit über dort stattfindende sexualisierte Gewalt berichtet wird. Aber sind es überhaupt erhaltenswerte Räume, wenn sie keine Schutzräume für alle, sondern für Täter sind?

2G Konzert mit Magdebored, Direct Juice & Kaviar am 23. Oktober

Magdebored (Leipzig)
https://magdebored.bandcamp.com/

Direct Juice (Magdeburg)
https://directjuice.bandcamp.com/

Kaviar (Nürnberg)
https://kaviar.bandcamp.com/

Für das Konzert nehmen wir die 2G-Option in Anspruch, somit ist der Zugang auf geimpfte, genesene und gleichgestellte Personen beschränkt (Impfnachweis oder Genesungsnachweis erforderlich, Kontrolle im Außenbereich).

Eine Mindestabstandspflicht entfällt, außerdem wird auf das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung bzw. qualifizierte Gesichtsmaske verzichtet.

Die Kontaktnachverfolgung wird weiterhin mit der Corona-Warn-App bzw. einer Kontaktliste sichergestellt. Durch Scannen eines QR-Codes könnt ihr euch bei Ankunft einchecken.

In unseren Räumen gilt strikt: Keine nackten (Ober-)Körper!

https://www.facebook.com/events/405527984494163

 

Die Initiative Polylux fördert linke Räume in Ostdeutschland abseits der Metropolen

„In Suhl haben wir etwa das Projekt AK40. Hier wird Geflüchteten ein Schutzraum geboten. Auch Jugendliche, die vielleicht nicht explizit politisch sind, aber kein Bock auf Neonazis haben, können hier vorbeikommen. Es gibt damit eine klare Alternative zum Schützenverein, dem Kirmesverein oder dem Sportverein und den dort geduldeten rechten Meinungen. Ins AK40 kann man sich zurückziehen und muss sich so nicht der rechten Hegemonie unterordnen. Es sind Räume mit einem antifaschistischen und antirassistischen Grundkonsens. So etwas brauchen wir in jedem ostdeutschen Dorf.“

Fatma Kar und Johannes Richter sind Mitglieder der Initiative Polylux. Das Netzwerk unterstützt Vereine und Projekte der kritischen Zivilgesellschaft im ländlichen Ostdeutschland. Sebastian Bähr sprach mit ihnen über den Rechtsruck im Osten, Probleme während der Corona-Pandemie und Förderpartnerschaften.
Infos: www.polylux.network

Hier gehts zum Interview: nd-aktuell.de

Antifaschistischer und antirassistischer Ratschlag

Antifaschistischer & Antirassistischer Ratschlag

Aufgrund der aktuellen Thüringer Verordnung über außerordentliche Sondermaßnahmen zur Eindämmung einer sprunghaften Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 findet der diesjährige Ratschlag ausschließlich online statt. Weitere Informationen auf: www.ratschlag-thueringen.de

Der Mahngang zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Suhl am Freitag, 6. November wird wie geplant 17:00 am Marktplatz stattfinden.

Die Geschichte der Stadt Suhl im Thüringer Wald ist die einer traditionellen Arbeiterstadt. Die revolutionären Traditionen der Stadt reichen bis in den Deutschen Bauernkrieg zurück und gehen nahtlos über in die Zeit der industriellen Revolution. Sehr früh schon schlossen sich Bergleute, Tagelöhner, Gesellen und Arbeiter zusammen, um sich gegen die unmenschlichen Ausbeutungsmethoden des Frühkapitalismus zu organisieren. In den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts verschärften sich diese Konflikte und im Suhler Raum bildete sich ein Zentrum der Arbeiterbewegung. 1911 sprach Karl Liebknecht auf einer Kundgebung in Suhl. Höhepunkt der Ereignisse um die Novemberrevolution im Suhler Raum war der Sieg über die Reichswehrtruppen in den Märztagen 1920 und damit der Beitrag zur Niederschlagung des Kapp-Putsches in Deutschland. Seit dieser Zeit wurde Suhl die „rote Stadt“ genannt und seit den 60er Jahren ist dieser Ehrentitel als Spruch am alten Rathaus angebracht. Auch in der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 45 kämpften Suhler Antifaschistinnen und Antifaschisten aus KPD, SPD und Gewerkschaften gemeinsam gegen Faschismus und Krieg. Als Widerstandskämpfer waren sie inzwischen eine Randerscheinung in NS-Deutschland und so endete die illegale Arbeit für die „Friedberggruppe“, die Widerstandsgruppe im Kesselhaus des Simsonwerkes oder die Gruppe um Neubauer und Poser oft mit dem Tod. Mindestens 66 Gegner des Nationalsozialismus wurden ermordet. In Suhl lebten in den 1930er Jahren etwa 150 jüdische Bürger. Sie hatten regen Anteil am wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben der Stadt. 1938 wurde die Suhler Synagoge Opfer der Pogrome und 1942 hörte mit den Deportationen im Mai und September die jüdische Gemeinde in Suhl auf zu existieren. Diesen historischen Ereignissen sowie aktuellen Entwicklungen widmet sich der Mahngang am 6. November 2020 anlässlich des 29 ½ Antifaschistischen Ratschlages in Thüringen.